Und wir tun’s doch ! Rechts und links haben wir Unkenrufe gehört: einmal Packpferd, nie mehr Packpferd. Kann schon sein, aber zuerst wird das selbst getestet.
Der Entschluss fällt: unser nächster Ritt findet mit Packpferd und Zelt statt. Mitte August geht’s los.
Da Farielle’s Bein noch nicht ok ist, darf ich Viktorina, Denises Vollblutstute reiten.
Sonntag, 17.8.08, Zwingen – Les Dannes
Nach der gestrigen Party bei Patricia wird es heute doch 9 Uhr bis wir aufstehen. Denise versucht die Packtaschen gleichmässig zu laden, ich nähe noch Gurtschlaufen an meine Reithosen, dann gibt’s z’Morge. Um 11 Uhr sind wir im Stall im nahen Elsass und beladen die Autos. Die Strecke bis nach St. Rémy ist mit Hänger etwas mühsam zu fahren, dafür entschädigen, vor allem im Elsass, die Dörfer für das Fehlen der Autobahn. Solchen Blumenschmuck sucht man in der Schweiz vergebens. Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir die Abzweigung nach Les Dannes und treffen auf die erste topographische Herausforderung. Ich warte unten, Denise versucht ihren X-Trail auf der Schotterstrasse den Hang hinauf zu würgen. Nachdem nicht einmal mehr Anhalten zum Ausladen funktioniert (Auto und Hänger rutschen rückwärts den Berg hinunter, dies trotz angezogener Handbremse) zick-zackt sie sich wieder nach unten und wir laden aus. Bonjour l’hiver!
Wir führen die Pferde die letzten 800m bis zum Hof und werden dort herzlich von Monika Fuchs begrüsst. Nachdem die Pferde auf der Weide sind, holen wir Auto’s und Hänger, jetzt klappts den Berg hinauf, wobei Denise auch meinen Hänger holt, ich will meinem alten Fiat den „Stutz“ nicht zumuten.
Unser Lager schlagen wir in einem der leeren Laufställen auf, die Les Dannes Pferde sind im Sommer nur auf der Weide. Die Unterstände werden nur im Winter benutzt. Nach 10 Minuten haben wir uns entsprechend ausgebreitet, und benötigen schätzungsweise den Platz von 20 Pferden für unser Zeug. Auf dem 300 ha Hof sind etwa 300 Pferde untergebracht, alle in gemischtaltrigen Herden.
Direkt beim Haus ist die Sportpferde-Herde, alle 3 jungen Füchse reiten Concours und arbeiten auf dem Betrieb mit, auf der anderen Weiherseite ist die Hengstherde.
Mit der Stutenherde läuft der Deckhengst frei mit, er beschäftigt sich (nebst seinen 45 Stuten dieses Jahr) mit diversen Concoursstarts.
Z’Nacht gibt’s am Fuchs’schen Lagerfeuer die hofeigene Spezialität. Direkt an die Weide anliegend ist der Schweinepferch, bewohnt von ca. 25 glücklichen Schweinen. Die werden zu gegebener Zeit ins Jenseits befördert und zu Bratwürsten verarbeitet. Dadurch dass sich in diesen nebst den üblichen Fleischstücken auch Filet, Braten, etc. befinden sind es sehr zarte und sehr fettarme Bratwürste. Dazu sind sie auch noch „sau-guet“.
Wir gehen früh schlafen, stellen bei dieser Gelegenheit fest, dass eine Campinglampe auch noch gute Dienste geleistet hätte, und freuen uns auf den Start morgen.
Montag, 18.8.08, Les Dannes – Baulay (20km)
Jetzt geht’s los: zuerst langwieriges Abwägen der Taschen, umpacken, wieder wägen, etc. Endlich ist das Gewicht gleichmässig verteilt und wir können satteln. Vor allem die Packerei von Mona mit dem Packsattel ist ein Novum, klappt aber erstaunlich gut. Denise hat Ortlieb-Fahrradtaschen gekauft, diese können beim Armeepacksattel einfach eingeklinkt werden. Dazu noch zwei „Würste“ mit Sichtfenster für unsere Kleider, sowie eine „Wurst“ mit der Küche, bzw. den Fressalien.
Hinter den Fahrradtaschen docken wir noch meine kleinen Vorder-Satteltaschen an, dort kommen Putzzeug und Karten hinein.
Um 11 Uhr reiten wir los, um 11.15 Uhr treffen wir auf die erste, wenn auch nicht die letzte, Abschrankung und müssen für die nächsten paar Kilometer auf ein Teersträsschen ausweichen. Viele der eingezeichneten Wege gibt es nicht mehr, oder, noch ärgerlicher, hören irgendwann auf.
Das Wetter ist ideal, sehr schön, ein bisschen Wind, kein Ungeziefer. Irgendwann finden wir dann doch einen schönen Waldweg und machen Mittag. Endlich können wir unsere Salade niçoise verspeisen, dort drin befindet sich Denises ganze Kühlschrankleerete.
Gegen 16 Uhr beginnen wir mit der Suche nach einem Rastplatz: Kriterien sind genügend Gras für die Pferde sowie Wasser. Das Ganze nicht allzu öffentlich und einsehbar, immerhin ist wildes Campieren in Frankreich verboten. Kurze Zeit später kommen wir an die Sâone, auch beliebt für Hausbootferien. Wir folgen dem Fluss und finden bei Baulay einen super Campingplatz. Wasserhahn mit Trinkwasser – vermutlich eher für Flusstouristen als für Reiter gedacht – Gras auf dem Damm, Picknicktische (man sitzt ja gerne bequem), was will man noch mehr.
Nach dem Absatteln wird eingezäunt und die Pferde in die Freiheit entlassen. 5 Minuten dauerts dann testet Viki den E-Zaun und alle 3 zischen sie los. Mein brandneuer Viehhüter wird mit Lederbändel wieder zusammengeflickt und wir beschliessen die Zelte so aufzustellen, dass diese optisch noch ein bisschen bremsen und wir einen allfälligen nächtlichen Abgang – beim Stolpern über die Zeltschnüre – mitbekommen würden.
Ich gehe schwimmen in der Sâone und dusche anschliessend unter dem Wasserhahn, Denise duscht splitterfasernackt unter der mitgenommenen Campingdusche. Dies 5m vor dem unterdessen für die Nacht angelegten Hausboot, bewohnt von einer Genfer Familie. Somit sind Shorts, Badekleid und Duschsack eingeweiht, wir können schon bald wieder nach Hause. Mangels Licht und Nachtleben im Dorf gehen wir um 22 Uhr ins Zelt. Bei Vollmond sehen wir die Pferde direkt vor den Zelten grasen.
Dienstag, 19.8.08, Baulay – Corre (18km)
Um 6 Uhr ist Tagwache, d.h. ich kann sowieso nicht mehr schlafen und bin froh, dass ich Aufstehen darf. Flott marschieren wir um 9.30 Uhr der Sâone entlang los und freuen uns auf eine schöne Strecke. Weit gefehlt, nach 500m werden wir von Stacheldraht, Brennesseln und Brombeeren zurück auf den Teer gezwungen. In einem kleinen Dorf können wir dafür unser Frühstückproblem lösen: wir treffen den mobilen Bäcker mit seinem steinalten Renault und decken uns ein.
Auf einem engen Waldweg lassen wir erstmals Mona frei, sie folgt uns mit etwas Abstand, trägt ihre Ladung aber mit Umsicht und holt bei engen Passagen aus. Da der Abstand zu ihr immer grösser wird, muss sie von nun an zwischen Joe und Viki laufen und kann keine Ferien mehr machen.
In Magay les Jussey werden wir von einem älteren netten Herrn zum Brunnen gelotst, beim Passieren seines Hauses gibt er uns noch Tipps für den vor uns liegenden Wald welcher etwas schwierig sei. Am vorausgesagten Ort verwirren wir uns dann auch prompt, das Navy hat Mühe uns mitzuteilen wo wir sind. Dem Cliché entsprechend kommen wir auch noch in ein Gewitter mit einem starken Regenguss. Da dieser sich zum Landregen entwickelt reiten wir weiter und peilen beim nächsten Weiler einen Bauernhof mit riesigen Stallungen an. Da niemand zu finden ist, quartieren wir uns im Kuhstall ein, die Pferde werden an die Liegeboxen der Kühe gebunden, etwas Heu finden wir auch noch und wir sitzen im Stroh und picknicken. Irgendwann erscheint der Bauer dann doch noch, er nimmt uns unsere Eigenmächtigkeit nicht übel und hält ein Schwätzchen mit uns. Etwas später kommt dann auch noch sein Bruder, dieser will uns sogar einen Hangar frei machen. Es ist aber erst 15 Uhr, etwas zu früh zum Anhalten und wir reiten weiter. Eine Stunde später, immer noch unter strömendem Regen, geben
wir Forfait. Ich bitte einen Bauern um Asyl, wir können in seinem Maschinenunterstand übernachten und für die Pferde hat’s Gras. Nach Absatteln, Zaunaufstellen und Ausbreiten unserer nassen Sachen geht Denise zu Plan B über. Wir wollen Einkaufen und zuerst wird noch ein Chambre d’hôte organisiert. Wäre mir nie in den Sinn gekommen. Wir kommen bei einer jungen Powerfrau unter. Sie hat ein kleines Kind, eine eigene Metzgerei, zerlegt das Fleisch (Eigenproduktion) selbst und verarbeitet es dann auch noch zu Würsten und „Paté“. Dieses stellt dann auch unser z’Nacht dar. Na ja, die Höflichkeit gebietet etwas Lob und eifriges Essen. Die Würste sind nicht schlecht, das Paté erinnert mich an Schwartenmagen. Dafür ist der Apéro-Wein eine Delikatesse, leider verschwindet er schon bald wieder vom Tisch. Gaëlle und ihr Freund führen uns noch mit dem Auto zum Einstieg an den Kanal, damit wir den auch sicher finden am nächsten Tag.
In unserem rosa Zimmer verbringen wir eine trockene Nacht, vorgängig eine heisse Dusche, welche Alternative zum Uebernachten unter einem Mähdrescher.
Mittwoch, 20.8.08, Corre – Ferme les Grillots (19km)
Nach dem Boxenstopp beim Gemüsler und beim Bäcker geht’s ab an den Canal de l’Est welchem wir den ganzen Tag folgen. Mona läuft wieder frei mit.
Sie entwickelt je länger je mehr Eigeninitiative: wir sind noch am beraten wie wir das Loch auf dem Damm umreiten können, als sie nach einem kühnen Blick abdreht, auf der Hinterhand den Damm runter rutscht, sich unten durch den Graben kämpft – diesen haben nur wir gesehen – und auf der Parallelstrasse weitergeht. Leider hört diese nach 300m auf und wir müssen zurück auf den Damm. Der ist sehr ungepflegt, zunächst reiten wir noch durch Brennesseln und Brombeeren, dann wird’s so schmal, dass Absteigen und Laufen doch zur Alternative wird. Falls die Pferde ausrutschen können sie sich besser ausbalancieren. Nach 500m wird der Weg wieder besser, man sieht auf jeden Fall, dass diese Wege schon seit längerer Zeit nicht mehr als chemin d’halage (Treidelpfad) benützt werden. Einige Kilometer später treffen wir auf einen Bagger, natürlich mitten auf dem Weg. Die gute Nachricht ist, wenn wir an dem vorbei sind, kommen wir sicher zu einer Brücke, nur, reichen die 30cm zwischen Bagger und Fluss um auch durchzukommen?
Wir greifen zur üblichen Methode: absteigen, lange Zügel, zügiges Vorbeigehen und kein Schauen nach hinten. Es klappt, Mona macht das sogar ganz allein.
Höhenmeter machen wir heute nur bei den Schleusen, dort jeweils 2,5m pro Schleuse. Die Wärterhäuschen sind verkauft und zum Teil sehr schön zurecht gemacht. Auch hat's immer eine Bank, ideal für Mittagshalt. Mitten beim Picknicken ein freundliches Allô, et voilà, nos Genevois. Wir haben sie seit unserem ersten Tag immer wieder mal getroffen. Mit dem Hausboot ist man also auch nicht schneller als zu Pferd.
Auf dem Damm finden wir keine Uebernachtungsmöglicheit, zum Zelten ist das Wetter noch etwas unsicher. Auf der Karte sehen wir einen 4km weit entfernten Weiler mit fermes, diesen wollen wir anreiten und kommen somit doch noch zu einigen Höhenmetern. Endlich angekommen fühlen wir uns wie im Krieg, alle Häuser sind verlassen und eingestürzt, weit und breit kein Zeichen von Leben. Als wir schon umkehren wollen, kommt und sein velo-fahrender Bub entgegen. Sein Vater folgt mit den Kühen zum melken. Wir dürfen uns im offenen Hangar ausbreiten (und das im buchstäblichen Sinn), Damien wird zu unserem Schatten und „Gango“. Wir hagen die Pferde etwas unterhalb des Hangars ein, Viky schnallt's aber immer noch nicht mit dem Zaun und räumt ihn wieder ab. Der ehemalige Gemüsegarten mit ziemlich solidem Zaun wird dann zur Nachtweide umfunktioniert, man schläft gerne ruhig. Unser Nachtessen besteht aus Quick-Soup, Quick-Lunch, Stocki Express, nur das Grünzeug kommt etwas zu kurz. Morgen müssen wir Einkaufen.
Denise hat unten im Wagenschopf die Campingdusche eingerichtet. Welch seltsames Gefühl vom „Schlafzimmer“ blutt über die Wiese ins Badezimmer zu laufen.
Donnerstag, 21.8.08, Ferme les Grillots – Les Voivres (20km)
Ab 7 Uhr klebt Damien wieder an uns. Er ist sehr herzlich und hilfsbereit, unsere heutige Strecke führt durch das Dorf wo die Familie wohnt, er darf vom Stall bis zu seinem Haus reiten. Dort angekommen warten schon seine Eltern mit einem Briefumschlag, somit ist das Schicken der Fotos auch geregelt.
Weiter geht’s auf dem Damm bis nach Fontenoy le Chateau. Das Städtchen hat sicher auch schon blühendere Zeiten erlebt, auch hier sind viele Häuser eingestürzt. Quer durch das ganze Städtchen hängen Tafeln mit Sprichwörtern oder Sprüchen drauf. Einer hat’s mir besonders angetan: j’ai
essayé de payer mes impôts avec un sourire, ils ont préféré un chèque….
Wir erwischen die falsche Kanalseite und reiten jetzt auf einem geteerten Veloweg. Ein Unterhalts-Arbeiter des Kanals, weist uns darauf hin, dass der Kanal für Pferde verboten ist. Es sei nämlich viel zu gefährlich. Na ja, wenn der uns etwas früher gesehen hätte: links der Kanal, rechts der Fluss Coney, der Damm fast 3 Meter hoch und etwa gleich breit.
Wir nicken nett und reiten weiter, bei Bain-les-Bains verlassen wir den Damm sowieso.
Wie gerufen kommt zur Mittagszeit eine nette Picknickstelle. Tisch, Bank und Abfallkübel. Joe und Viky binden wir nach dem Fressen an, Mona stellt sich daneben, da ihr Kopf beim Schlafen etwas schwer ist, benützt sie den Abfallkorb als Stütze.
Wir bleiben bei unserer bewährten Arbeitsaufteilung, ich mache Feuer, Denise mariniert die Steaks. Zum Dessert gibt’s Tirami-su, schliesslich haben wir Ferien.
Kurz vor les Voivres sind wir nicht mehr sicher und studieren zu zweit die Karte. Freilauf-Mona durchquert den Bach und verschwindet den Berg hinauf. Als ich sie einfangen will galoppiert sie davon. Entnervt hetzt ihr Denise hinten drein, Mona fügt sich in ihr Schicksal. Eine Viertelstunde später stellen wir fest, dass Mona zuverlässiger als das Navy ist, sie wäre schon richtig gewesen. Ob es wohl Zufall ist, dass sie ausgerechnet in diesem Moment an einem Baum hängen bleibt und das ganze Bagage unten am Bauch hängt? Nach dem étang d’allemand, der Partymeile von Les Voivres, will Viky nicht mehr vorwärts. Sie hat Hunger und ist müde und überhaupt hat sie die Schnauze voll. Ich steige ab und gehe die letzten 2km zu Fuss. Bei Antoinette, einer Kollegin von Denise, angekommen, entlassen wir Joe, Viky und Mona auf die grosse (6ha) Weide. Wir essen gediegen in der Auberge du Conney, geniessen unseren 3-Gänger und einen guten Wein. Herrlich ist die Schlaferei in einem richtigen Bett mit Toilette statt Brennesseln in nächster Nähe.
Samstag. 23.8.08, Les Voivres – Ferme Bon Jacques (25km)
Den Pferden hat der Ruhetag gefallen, sie müssen lustlos an der Halfter abgeschleppt werden. Joe zickt rum, er hat vermutlich Bauchweh, die Mirabellen lassen grüssen. Auch Mona und Viky haben etwas Bauchweh, aber dafür ist Bewegung ja gut.
Um 10 Uhr verabschieden wir uns von Antoinette für die nächsten 4 Tage. Denise kennt den Anfang der heutigen Strecke, nach 2km haben wir uns schon verschwatzt und verritten.
Wir schlagen einen Haken und gehen dann über Gremifontaine hinunter zum Pont tremblant. Während des 7km langen Aufstieges tobt Joe immer mehr, irgendwann machen wir dann entnervt eine Pause. Denise sattelt ab, und findet vom Rumtoben eine Scheuerstelle an der Schulter. Ob’s das ist, oder ob die Koliktropfen genützt haben? Plötzlich ist er wieder umgänglich und gut gelaunt. Zur Mittagszeit dann der ultimative Picknickplatz. Fischerhütte am Weiher, Picknicktisch, Feuerstelle, Gras, Brunnen mit Wasser, leider zu früh zum Uebernachten, ausserdem haben wir für diese Nacht schon in einem Gîte équestre gebucht. „Seelig“-idyllisch braten wir unsere Entrecôtes.
In Vioménil folgt etwas Kultur, wir besuchen die Quelle der Sâone. Hier ein kleines Bächlein, 4 Tagesritte davon kann man auf der Sâone schon Hausbootferien machen. Wir folgen der Sâone bis fast zur Ferme Bon Jacques und kämpfen uns zu guter Letzt noch durch’s Gebüsch. Erst bei der letzten Barriere merken wir, dass sie einfach geöffnet werden können.
Unsere Pferde erhalten wiederum eine grosse Weide und verschwinden unten im Bach an die Tränke. Wir erhalten unser Essen im Reiterstübli und haben Gelegenheit, die hofeigenen Pferde zu beobachten. Mir hat’s ein blondes Fuchs-Muli angetan. Laut Aussage der Besitzerin das einzige Tier auf dem Hof das nicht verkäuflich ist.
Sonntag, 24.8.08, Ferme de Bon Jacques – Girancourt (22km)
Wir brechen Richtung Epinal auf, haben jedoch kein genaues Ziel. Brigitte hat uns den Weg auf dem alten Bahndamm empfohlen und nicht zuviel versprochen. Ein richtig schöner Grasweg liegt unter unseren Füssen, ohne Gepäck wäre hier ein Galopp-Obligatorium.
Der in Lerrain vorgesehene Baguette-Stopp wird nicht eingehalten, die Bäckerei hat zu am Sonntag. Für kurze Zeit verlassen wir das Trassee und folgen der von Brigitte empfohlenen Römerstrasse. Mir ist ja bekannt, dass die Römer ihrer Zeit voraus waren, aber Teer??
Eigentlich wollen wir wieder zurück auf den Damm, diesmal zwingt uns die Proprieté privé Barriere in die Knie, sie ist nicht zu umreiten, alle anderen bisher haben wir geknackt.
Einige 100m später klappt’s dann doch, auch diesmal wieder: eine nette Jägerhütte steht einsam da und wird zum Mittagsrastplatz. Mona passt unsere eingeschlagene Richtung nach dem Mittag nicht mehr. Sie muss im Galopp verfolgt und zur Umkehr gezwungen werden.
Auf der Karte ist der Bahndamm an einigen Stellen nicht mehr eingezeichnet und wir wollen einem anderen Weg folgen. Den verpassen wir aber und – oh Wunder – der Damm ist durchgängig begehbar. Heute wollen wir nochmals zelten, bis jetzt haben wir erst einmal in unseren Zelten übernachten, das macht dann 260.--/Nacht, dieser Durchschnitt muss noch runter. Bis Girancourt finden wir keinen geeigneten Platz und reiten ins Dorf ein. Schon beim ersten Haus wiehern uns Pferde entgegen. Wir fragen den Besitzer um Asyl auf einer Wieder. Dieses erhalten wir auch problemlos, einfach mit der Auflage, uns nicht in Richtung Haus zu bewegen nachts. Er habe zwei grosse Hunde und die würden angreifen. Auf der hintersten Ecke der Weide stellen wir die Zelte auf und hagen die Hunde und Pferde aus, bzw. uns ein. Heute wird ein doppelter Stromfaden gezogen. Direkt ausserhalb der Weide ist der Kanal, wiederum mit Picknick-Tisch und Grill. Denise kocht Fertigteigwaren, die Portionen sind etwas klein und wir werfen noch Quick-Noodles nach. Ich vermisse Gemüse oder Salat, beim nächsten Pflanzblätz werde ich meine Skrupel unterdrücken, meine Thurgauer-Urinstinkte walten lassen und auf Selbstbedienung schalten.
Montag, 25.8.08, Girancourt – Méloménil (22km)
Der gestrige Abend war früh zu Ende; kurz nach 8 Uhr hat Regen eingesetzt und uns in die Zelte gezwungen. In der Nacht erwache ich hin und wieder wegen dem Regen. Das Zelt hält dicht, ich spreche aber doch ein ernsthaftes Wort mit Petrus: abprotzen im Regen ist nicht lustig. Er hat ein Einsehen, am Morgen ist das Wetter wieder gut.
Der Stallbesitzer verlangt 5 Euro für das Kraftfutter (das zweite Mal, dass die Pferde auf dieser Reise Kraftfutter erhalten haben, sonst gibt’s nur Gras), 5 Euro Trinkgeld schlägt er entrüstet aus. Seine Frau ist enttäuscht, dass wir ihr Kaffee-Angebot ausschlagen. Die Gute weiss nichts von den Toilettenproblemen von Wanderreitern. Eigentlich wollen wir Einkaufen, immerhin ist heute Montag. Der Ecomarché hat heute auch offen, allerdings erst um 14.30 Uhr, definitiv zu spät um zu warten. Irgendwie werden wir schon überleben. Nach 500 Kanalmetern müssen wir umkehren, das Verbotsschild haben wir ignoriert, beim Zaun klappt's nicht mehr.
Wir folgen dem Weg um den Lac de Bouzey, dem Naherholungsgebiet von Epinal.
Beim Picknick greifen wir bei knappen Vorräten auf die Resourcen der Natur zurück: Auf dem Menu steht eine Beutel-Steinpilzsuppe. Diese strecken wir mit dem (hoffentlich) echten Steinpilz welchen ich gefunden habe. Da wir beide keine Pilzler sind, ist dieses Vorgehen nicht unbedingt zu empfehlen.
Schon um 16 Uhr erreichen wir das auf der ca. 20-jährigen Karte erwähnte Gîte équestre. Das Gîte ist auch nicht aktueller als die Karte, schon seit 12 Jahren nicht mehr in Betrieb. Die Bewohner verstehen unser sanftes Jammer nicht und bieten uns keine Unterkunft an, verweisen uns aber ins Nachbardorf.
Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Pilzler. Er hat zumindest ähnliche Pilze im Korb wie unserer vom Mittag und bestätigt uns, dass dies Steinpilze seien. Bauchweh haben wir immer noch keins.
In Méloménil finden wir Unterkunft in einer Ferme auberge, die Pferde auf einer Weide. Diese ist von einem Bach fast vollständig abgegrenzt, bei der Lücke zu Strasse wird Mona eingehagt, dies für den Fall, dass sich Viky nochmals am Zaun versuchen sollte. Beim anschliessenden Apéro in der Gaststube treffen wir auch unseren Pilzler von vorhin wieder, es ist der Wirt. Er fragt besorgt nach unserem Gesundheitszustand. Spätestens nach dem z’Nacht habe ich dann aber doch Bauchweh, allerdings vom reichhaltigen 4-Gänger (welchen wir sehr genossen haben).
Dienstag, 26.8.08, Mélomenil – Les Voivres, 20km
Heute gibt’s nur eine halbe Runde, oder zumindest haben wir das so geplant. Wir schlafen aus, das Morgenessen haben wir auf 8.30 Uhr bestellt. Das z’Morgezimmer ist in einem Nebengebäude untergebracht. Wir sind die einzigen Gäste, auch die Wirtin ist nirgends zu finden. Denise verschwindet in der Küche auf der Suche nach Tee und einer Mikrowelle. Kaum fündig geworden, erscheint auch die Wirtin, sie nimmt den Uebergriff auf ihre Küche aber gelassen. Nach Abprotzen der Weide, welche heute zumindest noch zur Hälfte steht (Viky macht Fortschritte) geniessen wir die letzten 2km Kanal für dieses Jahr.
Im Zickzack schlagen einen Bogen auf der Suche nach einem netten Picknickplatz, immer noch gesättigt vom z’Morge welches doch immerhin zweieinhalb Stunden zurückliegt. In einem Wäldchen finden wir einen schattigen Platz, direkt am Waldrand hagen wir die Pferde ein und lassen sie Grasen.
Beim schönem, heissem Wetter sind alle Bauern am Emd mähen, die Pferde ernten manchen komischen Blick so auf der Weide. Da wir aber die Ecke hinter den Bäumen abgezaunt haben, ist kein ZS zu befürchten. Dank dem fahrbaren Laden von gestern Abend sind wir essens-mässig wieder aufgerüstet. Es gibt Reissalat mit Gurken (offeriert von der Wirtin und so bitter, dass sie mühsam wieder entsorgt werden müssen) und Tomaten und Bratwürste. Am Nachmittag treffen wir dann wieder auf die Strecke vom 5. Tag, diesmal erwischen wir in Gremifontaine sogar die richtige Abzweigung und probieren noch einen Packsattel-Galopp. Alles hält, nichts rutscht, das Ganze wird von Denise sogar noch filmisch festgehalten.
Heute ist es heiss, die Pferde schwitzen und schätzen die Dusche bei Antoinette sehr. Wir entlassen sie auf die Weide und stellen unsere Zelte zum trocknen nochmals auf.
Mittwoch, 27.8.08
Heute gibt’s noch einen kurzen Ausritt: Antoinette begleitet uns. Ohne Gepäck mit ein bisschen Trab und Galopp geht alles viel schneller. Plötzlich sind wir am Picknickplatz vom 4. Tag und bei der Auberge du Conney. Der Heimweg auf der anderen Kanalseite, etwas oberhalb im Wald ist ebenfalls sehr schön und dann der krönende Abschluss: ca. 2km Kanalgalopp. Super war’s, wir haben heute ca. die gleiche Länge geritten wie unseren sonstigen Tagesetappen, einfach in der Hälfte der Zeit.